Die kälteste Zeit des Jahres: TCM-Weisheiten für den Winter

Seit dem 5. Januar 2025 befinden wir uns in der Phase Xiao Han – einem besonderen Abschnitt im traditionellen chinesischen Bauernkalender. Der Begriff bedeutet „kleine Kälte“, doch diese Beschreibung führt in die Irre: Tatsächlich erleben wir jetzt die frostigsten Wochen des ganzen Jahres. TCM-Weisheiten für den Winter teilt die Expertin Sabine Schmitz in diesem Beitrag.

Wie die Kälte unseren Körper beeinflusst? Winterliche Temperaturen sind mehr als nur unangenehm – sie haben spürbare Auswirkungen auf unseren Organismus. Die Traditionelle Chinesische Medizin warnt vor der verdichtenden Kraft der Kälte, die unseren Energiefluss blockieren kann.

Moderne medizinische Erkenntnisse bestätigen dies: Kalte Witterung verengt unsere Blutgefäße und verändert die Blutkonsistenz. Die Statistiken sprechen eine klare Sprache – Herzinfarkte, Schlaganfälle und Hirnblutungen nehmen in dieser Jahreszeit messbar zu, besonders bei Menschen mit chronischen Vorerkrankungen.

Wie Kälte laut TCM auf den Körper wirkt

Der Winter verändert unsere Körperfunktionen grundlegend. Unsere Yang-Energie (die wärmende, aktive Lebenskraft) zieht sich in die Tiefe zurück, während Qi (laut TCM unsere Lebensenergie) und Blut weniger an der Körperoberfläche zirkulieren. Die Hautporen schließen sich, der Körper gibt kaum noch Feuchtigkeit über die Haut ab.

Hier beginnt eine Kettenreaktion: Was normalerweise als Schweiß ausgeschieden würde, muss nun von den Nieren als Urin verarbeitet werden. Diese zusätzliche Belastung führt zu vermehrtem Harndrang und kann besonders bei älteren Menschen zu Beschwerden führen.

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TCM-Weisheiten für den Winter: Ernährungstipps

Jetzt ist die richtige Zeit für wärmende Suppen und Eintöpfe mit Lamm- oder Rindfleisch, angereichert mit Gewürzen wie Ingwer, Zimt und Fenchel. Setzen Sie auf Wintergemüse wie Kürbis, Süßkartoffeln, Maronen und Knoblauch – sie alle haben eine wärmende Wirkung auf den Körper.

Ein warmer Kräutertee aus Zimt oder Sternanis am Abend, dazu vielleicht ein Fußbad mit Lavendel, rundet die Winterpflege ab und fördert einen erholsamen Schlaf.

Weitere Strategien für gesunde Winterwochen

  • Schlafrhythmus anpassen: Das klassische Werk „Der Gelbe Kaiser“ empfiehlt, mit der Dunkelheit schlafen zu gehen und erst nach Sonnenaufgang aufzustehen. Für uns heute bedeutet das: ausreichend Nachtruhe und kein frühes Aufstehen vor dem Morgengrauen.
  • Gezielt Wärme bewahren: Kopf, Rücken und Füße sind unsere Schwachstellen. Ein chinesisches Sprichwort warnt: Wer im Winter zu viel friert, erkrankt im Frühling. Also: Mütze auf, Schal um, warme Socken an!
  • Die Kraft der Sonne nutzen: Unser Rücken ist durchzogen von wichtigen Yang-Meridianen. Wann immer die Sonne scheint, sollten Sie ihr den Rücken zuwenden – das vertreibt nicht nur Winterdepressionen, sondern lädt Ihre Energiespeicher auf.
  • Bewegung ja, Schwitzen nein: Moderate Bewegung ist wichtig, doch schweißtreibende Workouts sollten jetzt pausieren. Im Sommer öffnen wir unsere Poren zum Entgiften, im Winter verschließen wir sie wie Kiefernnadeln, um die Yang-Energie (die wärmende, aktive Lebenskraft) zu bewahren.
  • Nieren stärken: Der Winter ist laut TCM die Jahreszeit der Nieren. Jetzt können Sie mit gezielter Pflege die meiste Wirkung erzielen. Die alten Meister der TCM rieten zur Mäßigung in allen Dingen – auch im Liebesleben, da dies die Nierenessenz stark beansprucht.

Wärmende Hausmittel für die kalte Jahreszeit

Bei den allerersten Symptomen einer aufkommenden Erkältung schwört die TCM auf ein einfaches, aber wirkungsvolles Rezept: Ein heißer Tee aus frischem Ingwer und braunem Zucker. Die Ingwerknolle aktiviert die Yang-Energie, bringt die Körperoberfläche zum Öffnen und unterstützt den Organismus dabei, eingedrungene Kälte wieder nach außen zu transportieren.

Wichtig ist, dass Sie den Tee möglichst rasch zubereiten und noch dampfend trinken – je früher, desto besser die Wirkung. Und mal davon abgesehen, schmeckt es lecker! Oder probieren Sie den „Wunder-Congee“: Frühlingszwiebeln, Ingwer und Klebreis mit einem Schuss Reisessig – ein bewährtes Rezept gegen Erkältungen.

Fußpflege am Abend: Ein warmes Fußbad mit Ingwer oder Lavendel wärmt nicht nur, sondern fördert auch einen erholsamen Schlaf.

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TCM-Weisheiten für den Winter: Schutz vs. Abhärtung

Hier kommt das Paradoxon: Trotz aller Wärmeempfehlungen sollten Sie nicht zum Stubenhocker werden. Tägliche Spaziergänge an der frischen Luft oder sanfte Bewegungsformen wie Qigong trainieren Ihr Abwehrsystem. Der Körper lernt, mit der Kälte umzugehen – eine Art natürliches Abhärtungstraining.

Die Weisheit der dritten Neun-Tage-Periode besagt: Wer sich jetzt gut um seinen Körper kümmert, bleibt das ganze kommende Jahr von Schmerzen verschont. Nutzen Sie diese besondere Zeit, um im Einklang mit den Jahreszeiten zu leben.

Bleiben Sie gesund, Ihre Sabine Schmitz

Über die Autorin

Sabine Schmitz hat chinesische Medizin in China studiert und leitet heute als TCM-Therapeutin eine eigene Praxis für Traditionelle Chinesische Medizin in Köln. Sie ist Autorin von zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen und TCM-Fachbüchern. 

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Artikeldbild: Unsplash / Ranen Ho (Symbolbild)